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THEMA: Gibt es wirklich eine Übersäuerung?!

Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 22 Jul 2016 11:29 #1094

  • Lukas
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Hallo,
ich bin Lukas, beschäftige mich seit 12 Jahren sehr intensiv mit alternativer Medizin und schreibe derzeit auch medizinische Bücher.

Natürlich kam ich auch über das Thema "Säure-Basen-Haushalt" nicht herum und beschäftigte mich ganz UNVOREINGENOMMEN mit diesem Thema. Ich las auch das Buch von Jentschura "Gesundheit durch Entschlackung".

Jedoch muss ich sagen, dass ich zu dem Fazit kam, dass es keine Übersäuerung bei Menschen gibt. Rein wissenschaftlich gesehen ist dies einfach nicht haltbar.
Herr Jentschura z.B. spricht davon, dass der erblich bedingte Haarverlust des Mannes eine Übersäuerung sein soll und sich der Körper die Mineralien zwecks Säureneutralisierung aus dem Haarboden holt. Diese These ist einfach an den Haaren herbei gezogen. Es existieren keinerlei wissenschaftliche Belege für diese Behauptung! Wenn dem so wäre, müssten auch Eunuchen (Kastrierte Männer) eine Glatze bekommen und genau das ist eben nicht der Fall. Zwar könnte man nun vermuten, dass ja der nicht vorhandene Sperma-Verlust dafür sorgt, dass weniger Mineralien verloren gehen. Das stimmt auch zum Teil. Aber warum wirkt dann Finasterid? Das ist das Medikament, was das Abbauprodukt vom Testosteron hemmt und bei einigen wachsen da tatsächlich wieder Haare von.
Am Mineralien-Haushalt wurde ja nichts geändert.
Ich bin zwar auch davon überzeugt, dass der chronische Sperma-Verlust die Ursache der männlichen Glatze ist. Aber nicht wegen den Mineralien, sondern eher wegen den Prostaglandinen und dem Spermidin, was im Sperma vorkommt und bei erhöhtem Samenverlust für den eigenen Körper nicht mehr zur Verfügung stehen kann. Logischerweise.

Was mich aber am meisten stutzig macht ist die Tatsache, dass Kinder sich ja i.d.R. auch sehr säurelastig ernähren mit tausenden Süßigkeiten und Cola.
Und dennoch wachsen sie und ihre Knochen!
Beim Erwachsenen führt die Übersäuerung also zum Abbau von Knochensubstanz und bei Kindern führt eine säurebildende Ernährung zum Aufbau von Knochen.

Alleine hier dran sieht man doch schon, dass da irgendwas nicht stimmt.
Ja, es ist sogar so, dass die heutigen Kinder trotz der ungesunden Ernährung sehr viel größer werden, als noch vor 100 Jahren, wo sich die Kinder gesund ernährten und es noch keine Cola gab.

Behauptet wird ja immer, dass die anfallenden Säuren durch die Nahrung durch Mineralien neutralisiert werden müssen. Dem ist aus wissenschaftlicher Sicht aber definitiv NICHT so! Säuren werden ganz einfach abgeatment. Der Rest wird mit dem Urin ausgeschieden.
Von den Übersäuerungs-Befürwortern wird angeführt, dass der Urin nicht ssurer als PH4 werden darf, da die Blase ansonsten verätzt werden würde und daher der Urin mit Basen vermischt werden würde.
Dem ist scheinbar aber nicht so, denn wenn der Körper so dermaßen übersäuert wäre, dass er den Urin alkalischer machen muss, wie kommt es dann dazu, dass nach dem Mittagessen der Urin basisch ist?
Daran erkennt man doch sehr gut, dass der Körper eben auch Basen-ÜBERSCHÜSSE produziert. Ansonsten würde der Körper den Urin doch nur gerade so basisch machen, dass es für die Ausscheidung reicht. Also sagen wir mal von PH3 auf 4.
Warum sollte der Körper aber so viele Basen (PH8) ausscheiden, wenn er die Basen doch so dringend benötigt?

Ich würde mich sehr freuen, mit (militanten) Säure-Basen-Verfechtern einen Dialog zu starten. Das wird sicher sehr spannend :-)

Viele Grüße
Lukas
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Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 25 Jul 2016 07:54 #1098

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Hallo Lukas,


der menschliche Körper ist bei der heute üblichen Ernährung einem täglichen Säureüberschuss von ca. 50 - 100 mmol ausgesetzt. Dies ist im Wesentlichen auf einen erhöhten Eiweißkonsum bei gleichzeitig vermindertem Verzehr von Obst und Gemüse zurückzuführen. Zur Regeneration der Puffersysteme benötigt der Organismus Basenbildner, um die ernährungsbedingte Säurebelastung zu vermindern. Sind nicht genügend Basen im Körper vorhanden bzw. sind die eigenen Puffersysteme des Körpers erschöpft, kommt es langfristig zu einer chronischen Übersäuerung (latente Azidose). Eine chronische Übersäuerung äußert sich häufig in Symptomen wie Müdigkeit, Antriebsschwäche, Konzentrationsschwäche und sinkender Belastbarkeit. Aber auch Muskel- und Gelenkbeschwerden können Erkennungsmerkmale einer Störung des Säure-Basen-Haushaltes sein.

Bitte beachten Sie, dass die Messung des Urin-pH zur Bestimmung eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts oder zur Diagnose einer möglichen Übersäuerung grundsätzlich leider wenig aussagekräftig ist. Weniger als 1% der Gesamtsäureausscheidung im Urin findet in Form von freien Säuren statt. Aber nur diese sind mit pH-Teststreifen messbar. Die restlichen 99% der über den Urin ausgeschiedenen Säuren werden in gebundener Form ausgeschieden (v.a. als Ammoniumionen) und sind daher mit pH-Teststreifen nicht feststellbar. Zudem ist der pH-Wert im Urin Tagesschwankungen unterworfen. Der Morgenurin ist meist saurer als der tagsüber produzierte. Auch kommt es beispielweise zu erheblichen Änderungen der Säureausscheidung in Abhängigkeit von der Nahrungszufuhr. Eine Beurteilung des Säure-Basen-Status ist entweder durch die Messung der sogenannten Nettosäureausscheidung im 24-Stundenurin oder über die Bestimmung der Pufferkapazität des Blutes möglich. Diese Methoden sind jedoch ziemlich teuer und werden zudem nur von wenigen spezifischen Laboren durchgeführt.

Mit freundlichen Grüßen,
IPEV
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Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 25 Jul 2016 09:27 #1099

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Hallo,

könnten Sie mir dann auch sagen, wo die Basen-Depots her kommen sollen?
In der Regel hat man sich ja IMMER schon säurebildend ernährt.
Die Mutter isst sauer, das Kind wird geboren und mit saurer Nahrung gefüttert. Trotzdem wachsen die Knochen und alles andere ohne Probleme.
Und genau diese saure Ernährung die im Kindesalter zum Wachstum geführt hat, soll dann im Erwachsenenalter zum Abbau führen? Wie lässt sich das erklären?
Und müssten Eskimos, die sich nur von Fisch ernähren, dann nicht auch extrem übersäuert sein?

Wenn es tatsächlich eine Übersäuerung gäbe, dann dürften Kinder überhaupt nicht wachsen. Denn um die Säuren aus der Nahrung verstoffwechseln zu können, müsste ja ständig basisches Calcium aus den Knochen zwecks Säureneutralisierung gezogen werden.
Genau das Gegenteil ist aber der Fall!
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Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 27 Jul 2016 11:51 #1100

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Hallo,
Die wichtigsten Organe bei der Regulation des Säure-Basen-Haushalts sind die Nieren und die Lunge. Die Niere ist das einzige Organ, das direkt Säure ausscheiden kann, also effektiv Säure aus dem Körper entfernen kann und damit die Puffersysteme bzw. den Säure-Basen-Haushalt entlastet. Die Lunge ist ebenso an einer Regulation beteiligt, durch Abatmen von CO2 sorgt sie für eine kurzzeitige Stabilisierung des pH-Wertes im Blut.
Für die Aufrechterhaltung eines konstanten pH-Wertes im Blut sind verschiedene Puffersysteme verantwortlich: Bicarbonat-Puffer, Hämoglobin-Puffer, Proteinat-Puffer, Phosphat-Puffer. Um die Pufferkapazität langfristig zu erhalten, müssen sich die Puffersysteme regelmäßig regenerieren. Hier spielt die Ernährung eine wichtige Rolle, denn eine basenreiche Ernährung mit reichlich basischen Mineralstoffen trägt zur Unterstützung und Entlastung der Puffersysteme bei.

Stößt das Puffersystem durch eine (jahrelange) zu hohe Zufuhr säurebildender Lebensmittel bei gleichzeitig zu geringem Verzehr von basischen Lebensmittel an seine Grenzen und ist die Kapazität der Säureausscheidung in der Niere ausgeschöpft (im Alter nimmt die Nierenfunktion ja bekanntlich ab), kann es zu einer chronischen Übersäuerung kommen! Dann muss der Körper auf „Notfallreserven“ zurückgreifen: Knochen und Bindegewebe

Im übrigen "übersäuern" Kinder ganz selten-sie erhalten ja zunächst über die Muttermilch und dann später über eine (hoffentlich) ausgewogene Ernährung reichlich basische Mineralstoffe. Zudem ist bei Kindern, bei intakter Nierenfunktion, die Fähigkeit Säure auszuscheiden sehr hoch!

Ich hoffe, diese Antwort hilft weiter!

VG
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Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 27 Jul 2016 19:25 #1101

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Also mit anderen Worten:
Wenn alle Organe PERFEKT arbeiten, gibt es auch bei einer säurebildenden Ernährung keine Übersäuerung.

Sollte die Lösung des Problems dann nicht viel eher darin bestehen, die Nieren zu stärken bzw. zu reinigen?
Ich kann mir vorstellen, dass durch jahrelange Fehlernährung die Nieren Calciumablagerungen, bis hin zu Nierensteinen bekommen.
Und mit Fehlernährung meine ich keine säurebildende Ernährung, sondern Megnesiummangel, Vitamin B6-Mangel und Vitamin K2-Mangel.
Dies bewirkt, dass das Calcium aus der Nahrung nicht in die Knochen eingelagert werden kann, sondern sich stattdessen überall absetzt, also auch in den Nieren.
Dadruch können diese dann nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten und man könnte auf die Idee kommen, dass eine Übersäuerung die Ursache des Ganzen ist.
Dabei ist die Übersäuerung nur das Symptom. Die eigentliche Ursache sind die kaputten Nieren. Und wenn man die Ursachenkette bis ganz zurück verfolgt, war es der Magnesium, B6- und K2-Mangel, der die ganze Kaskade ausgelöst hat.
Das ist meine Erklärung dazu. :)
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Gibt es wirklich eine Übersäuerung?! 06 Nov 2016 11:46 #1117

Hallo Zusammen,
ich würde mich gerne hier bei der Diskussion beteiligen. Mir geht es hierbei auch einfach um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Ich beschäftige nicht seid kurzem mit dem Thema und möchte gerne die These der latenten Übersäuerung hier kritisch aber auch unvoreingenommen diskutieren.

Im Beitrag #1098 wurde von IPEV die These aufgestellt, dass eine Übersäuerung des Köpers durch einen "täglichen Säureüberschuss von ca. 50 - 100 mmol" verursacht wird. Die Kernfrage ist hier für mich: Wieviel mmol an Säuren kann die Leber und Niere verstoffwechseln oder ausscheiden? Der Autor in diesem Artikel (www.physioklin.de/physiosbh/detailfragen...edingte-azidose.html) beschreibt eine Leberleistung von 50 mmol pro Stunde sowie eine tägliche Säurenausscheidung in den Nieren von 50 mmol pro Tag. Beide Organe sollen in der Lage sein ihre Leistungen bei Bedarf zu verzehnfachen. Bei der Betrachtung dieser Zahlen wirken die angedachten 50-100 mmol Säurenüberschuss ziemlich klein. Daher kann ich mir schwer vorzustellen, dass die Leber und Niere Probleme haben könnten die Säuren zu neutralisieren oder auszuscheiden. Folgt man diesem Gedanken, kann es auch nicht zu einer Übersäuerung im Körper kommen. Einfach weil die Leber und Nieren einen solchen kleinen Überschuss von 50-100 mmol mühelos händeln würden.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn hier Menschen mit gutem physiologischen Grundwissen auf meinen Beitrag eingehen könnten, um eine sachliche und produktive Diskussion zu führen.

Viele Grüße,
Friedrich Schmitz
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